nachdem ich diesen extra-thread beantragt habe, will ich natürlich auch (endlich) was dazu beitragen.
devfantasy hat geschrieben:wie bezeichnen sich diejenigen, die sich sexuell und im sonstigen leben nicht nur auf eine bestimmte identität beziehen, sondern z.b. sowohl auf männlichkeiten (butches, trans* usw.) stehen als auch auf weiblichkeiten (femmes, trans*)?
meine sexuelle partnerInnenpräferenz bezeichne ich zur zeit als
queer und überwiegend butch/tg-liebend/begehrend mit gelegentlichen ausflügen in andere gender-gefilde.
queer beinhaltet für mich, dass ich definitiv keine heterobeziehung führen möchte, auch nicht mit einem transmenschen. dabei ist allerdings das erkennen, begreifen und wertschätzen meines genders femme durch mein gegenüber der entscheidende punkt, nicht irgendwelche körperlichkeiten oder sexualpraktiken.
butch/tg-liebend/begehrend, weil butches/transgenders nun mal die sorte gender sind, die ich am häufigsten romantisch, erotisch und sexuell anziehend finde.
überwiegend weil es nicht ausschließlich butches/transgenders sind und waren.
die
anderen gender-gefilde belasse ich gern etwas vage, weil sie bisher vielfältig waren und vermutlich auch bleiben werden. ich scheine jedoch besonders oft leute attraktiv zu finden, die "highly gendered" sind, was für mich v.a. bedeutet, dass sie nicht nur (mindestens) ein deutlich erkennbares gender haben, sondern sich ihres genders auch sehr bewusst sind. außerdem erotisiere ich unterschiedlichkeit, auf gender-ebene oder anderswo.
untrennbar mit meinen partnerInnenpräferenzen verbunden ist außerdem
mein eigenes gender. ich suche also nicht nur ein bestimmtes gender-gegenüber, sondern ich suche eine bestimmte geschlechtliche begegnung von diesem anderen gender mit meinem gender. dabei begehre ich überwiegend als
(gender)queere femme (in verschiedenen variationen dieses genders), ab und zu als
schwuler boy. und je nachdem als wer/als welches gender ich begehre ändert sich auch wen/welches gender ich begehre... kann mir noch jemand folgen?

***
und nun zu den begriffen, die ich
nicht verwende:
mit
bisexuell kann ich wegen der impliziten zweigeschlechtlichkeit nichts anfangen, und ich identifiziere mich außerdem auch nicht mit dem, was ich an bisexuellenbewegung/szene mitbekomme. das ist ästhetisch, sozial, kulturell einfach nicht meine welt.
allerdings habe ich kürzlich festgestellt, dass bisexuellen erstaunlich oft ähnliches unterstellt wird wie femmes (sie/wir seien nicht wirklich queer, hätten vor allem den wunsch nach heteroprivilegien, und seien daher für queere leute nicht wirklich vertrauenswürdig, weil wir sie bei der erstbesten gelegenheit für eine heterobeziehung verlassen würden). fand ich spannend, fragte mich kurz nach möglichen gemeinsamen politischen strategien, wandte mich dann aber erstmal wieder anderen überlegungen zu. so richtig abgehakt hab ich das thema aber noch nicht...pansexuell ist mir persönlich zu allumfassend und darin zu gleichgewichtig konnotiert. ich begehre nicht alle gender, und schon gar nicht alle gender gleichermaßen (majs argumentation leuchtet mir dennoch ein - spannend gedacht und gut erklärt, danke!

).
wie weiter oben schon geschrieben, sind für mich körperlichkeiten nicht ausschlaggebend für erotische anziehung oder keine. oder jedenfalls nicht körperlichkeiten entlang von herkömmlichen "geschlechtergrenzen". sprich: an nichttrans typen stört mich weder der schwanz noch die abwesenheit von möse und brüsten, sondern ihre
soziale geschlechtlichkeit - aus der sich gewöhnlich ihre (nicht)wahrnehmung meines genders ableitet. wir kommen da einfach selten auf eine gemeinsame ebene, und deswegen finde ich sie i.d.r. echt uninteressant.
trotzdem habe ich auch so meine präferenzen für bestimmte körperlichkeiten, die ich rein optisch attraktiver finde als andere. aber 1. hat auch das kaum mit genitalien/brustgestaltung zu tun, und 2. ist spontane optische anziehung sowieso nicht das einzig relevante kriterium bei der partnerInnenwahl.
und sonst:
Charlotte hat geschrieben:ich persönlich nutze lieber das attribut queer (also 'queere femme') und verbinde damit eine ganze reihe von dingen - die eigenen genderqueeren anteile, die diversität derjenigen, die ich begehre und die diversität der formen, in denen ich begehre. leider, und das ist natürlich immer das problem mit solchen begriffen, verstehen die wenigsten menschen, was ich mit dem begriff aussagen möchte - und selbst bei denen, die erst mal verstehend nicken kann man sich nicht sicher sein, ob sie tatsächlich die selbe assoziation mit dem begriff queer haben. er nutzt also eigentlich eher mir in meiner eigenen verortung.[...]
letztlich ist es mir aber auch nicht furchtbar wichtig, einen begriff zu haben, der differentiert und erschöpfend auf die von mir begehrten gender verweist. wenn ich mit jemanden darüber spreche, bei dem/der es mir wichtig ist, dass das verstanden/gewußt wird, dann sollte da auch genug zeit für zwei sätze zum thema sein - da riskiert man dann auch weniger mißverständnisse.
ja. genau. unterschreib ich.
